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Heute möchte ich euch eine kleine Geschichte erzählen, wie ich einmal zu einem Bondagebunnie gekommen bin. Sie schrieb mich schon vor Monaten an, dass sie gerne von mir fotografiert werden würde. Das war nichts besonderes bis dato, denn man muss wissen, dass mich pro Tag mindestens 3 Mails erreichen, die alle diesen Wunsch haben. Ich bin Künstler und Bondage ist für mich etwas, wo es einfach passen muss. Ich kann nicht einfach so jemanden fesseln und dann die Kamera draufhalten. Das liegt mir nicht, denn ich fessle mit meinem Seil Menschen und keine Körper. Geister und Gedanken.
Doch sie ließ über Monate nicht locker und somit, kurz vor dem Verlassen meiner alten Heimat bei Kassel war die Zeit eng geworden und sie schrieb mich wiederum an. Sie schrieb, dass sie diese letzte Chance nutzen wolle, von mir gefesselt und fotografiert zu werden und somit ging ich darauf ein, denn irgendwie reizte sie mich auch.
Es war das erste Mal, dass sie bekanntschaft mit japanischer Bondage gemacht hatte und umso intensiver war es für sie. Anfangs ließ ich ihr noch den Boden unter den Füßen, doch nach einiger Zeit nahm ich ihr auch diesen. Mit dem Boden unter den Füssen verlor sie dann auch ganz schnell den Halt in dieser Welt und flog, sicher von den Seilen und meiner Obhut getragen, in die Weiten einer anderen Welt. “Willkommen” sagte ich mir, als ich sie dort hängen sah. Es war ein wunderbarer Anblick und ich fing ein paar Eindrücke von dieser ihrer Erfahrung ein. Ich fotografiere nicht nur für mich. Ich halte gerne Menschen in Situationen fest, in denen sie sich selber manches mal gar nicht sehen.
Ich reflektiere Gefühle und Persönlichkeiten und gebe sie den Menschen mit auf den Weg.
In diesem Fall muss ich wohl einiges bewegt haben, denn seit dem tauschen wir mit einer gewissen Regelmäßigkeit Mails aus, in denen sie mir ihre eigenen Eindrücke wiedergibt. Aus meinen eigenen Erfahrungen in Seilen weiss ich, wie intensiv soetwas sein kann. Es macht definitiv süchtig. Etwas, woran man leckt und dann niemals wieder die Finger von lassen kann. Befreiend.
Obwohl ich dich vorher nie gesehen habe,
hatte ich ein Gefühl von Vertrauen, Nähe und Freiheit.
Dieses trage ich, als einen Schatz in mir.
Vielen Dank Jörg.
Petra am 31. Oktober, 2008