Eine kleine Anleitung und meine Erfahrungen über eine Art der Idealen Shibari-Session. Bondage ist mehr, als das Fixieren von Körpern. Es ist vielmehr eine ganzheitliche Erfahrung aus Nähe, Vertrauen, Kontrolle und Sehnsucht

Ein -Szenario. Das ist es, was ich in diesem heutigen Beitrag beschreiben will. Ein Artikel, wie ich mir den Idealfall einer Erfahrung mit und Japanbondage vorstelle. Dazu muss man wissen, dass es für die westlich geprägte Bevölkerung fast schon unmöglich geworden ist, in seiner wirklichen Form erleben oder genießen zu können, denn es ist mehr als der Umgang mit den Seilen.

- - die Reinigung

Um wirklich erfahren zu können, ist es von Nöten, sich zu reinigen. Damit meine ich nicht ausschließlich die körperliche Reinigung. Viel mehr ist es von Nöten, den Alltag förmlich von sich herunter zu waschen. Jeder von uns weiss um die entspannende Wirkung von Bädern. In diesem Sinne beginnt eine -Erfahrung bei mir mit einem Bad oder einer warmen Dusche. Dies soll dazu beitragen, den Alltag hinter sich zu lassen. Die Entspannung im Geist, wie auch im Körper zu finden. Unterstützen kann man dies, indem wunderbare Duftkerzen, Räucherstäbchen und Badzusätze mit ätherischen Ölen verwendet werden.

Ich schicke sie also in das vorbereitete Badezimmer. Es liegen Handtücher bereit und auch Seife und Kerzen sind von mir vorbereitet worden. Ich weise sie an, sich zu waschen und danach sorgfältig abzutrocknen. Sie soll sich Zeit dabei lassen. Sie soll sich entspannen und Zeitdruck und Hektik sind das letzte, was in diesem Moment herrschen sollte. Jetzt ist Zeit für das eigene Ich. Ihr ich. Nur für sie. Wohl wissend um die entspannende Wirkung von Musik, habe ich den CD-Wechsler mit “Carlos Peron” und ” Secret Garden” bestückt. Auch einige Stücke von ” Lorena McKenneth” eignen sich dafür. Wer es etwas purer mag, kann sich auch asiatische Klänge in die Wohnung holen, aber mir ist das zu unpersönlich, aufgesetzt und das würde mir die Authentizität nehmen.

- - Nähe spüren - bauen

Im nächsten Schritt geht es darum, eine Nähe zu ihr aufzubauen. Es geht darum, Barriere durch sanfte Berührungen und intensiven Körperkontakt abzubauen. Eine Massage ist dafür am geeignetsten, denn dadurch entspannt sie sich noch mehr. Und es geht wieder um Körper sowie den Geist.

Sie kommt aus dem Bad. Sie hat sich sorgfältig abgetrocknet, wie ich sie angewiesen habe. Ich bitte sie zu mir. Auf dem Boden habe ich eine Matte ausgebreitet und das Öl liegt auch bereit. Die Raumtemperatur habe ich wohlwissentlich um die Kaltblütigkeit der Frauen hochgeregelt, damit sie nicht friert. Sie legt sich auf den Bauch. Ich nehme das Öl und massiere sie mit langsamen, der Musik folgenden Bewegungen und Handgriffen. Immer darauf bedacht, nicht auf den Knochen selber, sondern nur der Muskulatur folgend meine Hände über ihre Haut gleiten zu lassen. Eine Spannung baut sich zwischen ihr und mir auf, denn sie hat die Anweisung, kein Wort zu sagen. Aber so wie sie da liegt und genießt, würde sie sowieso außer einem genussvollem Schnurren kein Wort über die Lippen bringen. Ich lasse mir Zeit. Ich lasse uns Zeit. Denn dieser Moment trägt viel davon in sich.

- die Entführung

Die Kerzen sollten mittlerweile halb herunter gebrannt sein. Die Massage sollte nicht abrupt abgebrochen werden, sondern in einem sanften Meer zärtlichen Streichelns enden. Jetzt geht es an einen anderen Ort, den du schon vorab für das Fesseln vorbereitet haben solltest. Alles was du jetzt brauchst, sind deine Seile, dein Wissen und die Erkenntnis, dass dieser Moment nicht für Experimente gedacht ist. Tu die Dinge, die du kannst. Die Dinge des , die du beherrschst, denn nichts ist lästiger in diesem Moment als Unsicherheit in der Seilführung. Sie ist in einem Zustand, wo sie völlig entspannt ist. Bereit für die Reise ins Wunderland. Also nimm sie an die Hand und zeig ihr den Weg durch deine Seile.

Langsam gleiten meine Hände über ihren Körper. Folgen den Formen, die ihr wohl nur ein Gott hätte geben können. Ich spüre, dass sie völlig entspannt und bereit für das nächste Tor zum -Wunderland ist. Ich weise sie an, mit mir zu kommen. Nehme ihre Hand und geleite sie behutsam zu dem Platz, den ich für das folgende vorbereitet habe. Dort liegen meine Seile. Die Seile, welche schon einen gewissen Reifegrad erreicht haben. Nicht die neuen, kratzigen. Sondern die eingefesselten. Die Seile, die schon etwas von ihrem Fesselwasser aufnehmen durften und dadurch weich geworden sind.

Ich nehme das erste Seil auf. Führe ihre rechte Hand in einer natürlichen Bewegung hinter den Rücken und halte sie mit der linken Hand fest. Es ist mir wichtig, dass ich sie zu jeder Zeit spüren lasse, dass ich da bin und sie auf dem Weg des führe. Mit meiner rechten Hand löse ich das Seil in einer geschickten Bewegung in seiner Länge auf. Ich lege es unter ihre rechte Hand und führe nun die linke Hand in der selben natürlichen Bewegung hinter den Rücken. Ich fessle ihre Hände und führe das Seil anschließend eng an ihrem Körper Windung für Windung entlang. Meine langsamen Bewegungen und meine Nähe hinter ihr sollen ihr ein Gefühl der Geborgenheit geben. Keine Hektik. Nur Genuss-. Ich spüre, wie sie langsam aber sicher dem Pfad der Seile entlang mir ins - Wunderland folgt.

Mit gefesseltem Oberkörper steht sie vor mir. Sie ist jetzt bereit, mir alles zu geben. Ihr Bewusstsein und doch frei. Seiltrunken steht sie da. Ich befestige sie an dem Ring, der von der Decke hängt. Immer bedacht darauf, dass ich ihr ganz Nahe bin. Meine Hände fahren langsam über ihren Körper und ich merke wie der Genuss aus jeder ihrer Poren schießt. Mit langsamen und sicheren Bewegungen hebe ich ihr rechtes Bein mit einem Seil in Richtung des Rings. Ich ziehe das Seil, welches ihren Oberkörper hält noch ein wenig nach oben, so dass nur noch Zehenspitzen sie mit dem Boden und dieser Welt verbinden.

Jetzt ist der entscheidende Moment gekommen. Eine letzte Fesselung an ihrem linken Knöchel. Das Seil langsam und kontrolliert zum Ring geführt. Ich fasse ihr unters Kinn. Küsse sie auf die Wange und ziehe das Seil mit aller Kraft meines Herzens um ihr den letzten Halt in dieser Welt zu nehmen. Sie fliegt.

Ich befestige das letzte Seil und gebe dieser Konstruktion aus und Kontrolle die nötige Sicherheit. Ich genieße und meine Hände fahren über ihre weiche Haut. Sie ist jetzt ganz nach bei mir und ganz weit weg aus dieser Welt. Mein -Wunderland.

- - zurück in die Welt

Nach einer solchen -Erfahrung ist es wichtig, die Partnerin so behutsam wie möglich wieder in die Welt zurück zu holen. Dabei ist es wichtig, die gewonnene Entspannung bis zum Ende fortzuführen und nicht dadurch zu ruinieren, dass man einen harten Schnitt einlegt. Was dabei helfen kann, ist die Möglichkeit, die Fesselung nicht komplett zu entfernen. Zum Beispiel kann man die Hände, sofern sie nicht durch Taubheit auf sich aufmerksam machen, zu behalten. Danach kuschelt man sich an sie und holt sie mit Zärtlichkeiten zurück in die Welt. Sofortiges Ansprechen oder das Verschwinden zum Nikotinkonsum können eine Bruchlandung verursachen und sind wenig hilfreich.

Ich löse die in umgekehrter Reihenfolge, wie ich sie Angelegt habe. Doch ich lasse sie den Boden nicht erreichen. Stück für Stück gebe ich mehr Seil um ihren Körper in der Gesamtheit dem Boden näher kommen zu lassen. Nur noch Zentimeter trennen sie vom sanften Eintreffen ich die Realität. Ich lasse sie behutsam wie eine Feder landen und geselle mich zu ihr. Ich kann spüren wie sie langsam und ruhig atmet. Ich löse langsam und ohne ihr Zutun die Fesselung um den Oberkörper und schmiege ihren Körper fest an den Meinen. Nähe. Das ist das Geheimnis im . Die Kunst, Nähe zu vermitteln und doch zu kontrollieren. Nähe durch Kontrolle. Kontrolle durch ihren Willen kontrolliert werden zu wollen und der Sehnsucht nach Nähe und Geborgenheit.

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