Dass die Seilkunst und das Fesseln eine wunderschöne Sache sein kann, habe ich hier in einigen Beiträgen bereits in epischer Breite beleuchtet. Dass es viel mit Gefühl und Nähe zu tun hat, wenn zwei Partner sich mit dem Seil näher kommen, dürfte beim Lesen der Artikel dieses Blogs sicherlich klar sein. Dass die Entführung ins Shibari-Wunderland eine der intensivsten Erfahrungen sein kann, die man in seinem Leben machen kann, habe ich hier breit ausgeführt. Doch was ist, wenn etwas schief geht? Und was kann schief gehen? In diesem Beitrag möchte ich ein wenig auf die Gefahren hinweisen, die es bei dieser Spielart sicher auch gibt und die auf keinen Fall verschwiegen werden sollten.
Gefahr erkannt, Gefahr gebannt?: Falling hands Syndrom
Das man beim Fesseln mit Seil und gerade mit Seil aus Hanf, Jute oder Flachs mit einer ganzen Menge Druck am Körper arbeitet, sollte man wissen. Auch sollte man wissen, dass den Körper Nervenbahnen durchziehen, die an den einen oder anderen Stellen wenig oder gar nicht geschützt von Musklen nahe an der Körperoberfläche verlaufen. Hier liegt eine Hauptgefahr beim Fesseln, denn einer dieser Nervenstränge ist der Nervus Radialis, der dem Rückenmark entspringt, unter den Achseln verläuft und sich um die Arme schlängelt. Dieser besagte Nerv ist verantwortlich für die Muskeln, welche dafür sorgen, dass wir unsere Handgelenke strecken können.
Durch Schnürung des Seils an ungünstiger Stelle, kann es passieren, dass der Nervus Radialis beeinträchtigt oder sogar dauerhaft geschädigt wird. Symptom dessen ist dann die Fallhand oder auch Kusshand genannt. Den Namen hat dieses Symptom von der typischen Haltung der Hände. Die Schädigung kann von 3 Tagen bis mehrere Monate andauern oder sogar permanent sein.
Ein guter Schutz, aber auf keinen Fall eine Garantie ist die immer wiederkehrende Kontrolle der Handfunktionen während der Fesslung. Und mit Kontrolle meine ich nicht, dass die Hände des passiven Partners nur gedrückt werden, sondern sämtliche Funktionen so weit wie möglich im Auge behalten werden. Dies setzt voraus, dass die Hände nie so gefesselt werden dürfen, dass sie völlig starr sind, denn dann kann nichts kontrolliert werden. Das einfachste ist es, den passiven Partner während der Bondage-Session in regelmäßigen Abständen an den Händen zu packen, zugreifen lassen und dabei noch Temperatur und Färbung prüfen. Anschließend loslassen und Anweisung geben zum Strecken und Anwinkeln der Handgelenke. Sollte dies nicht mehr funktionieren, die Fesselung auflösen und schauen, ob es dann wieder geht. Wenn die Hände ihre Funktion nach Befreiung des Partners immernoch nicht zeigen, sollte ein Arzt aufgesucht werden.
Gefahr der Ohnmacht – Bewustlosigkeit – Kreislaufkollaps
Ein Kreislaufkollaps oder Bewustlosigkeit als Gefahr beim Bondage kann mehrere Ursachen haben. Zum einen kann eine plötzliche Umlagerung des Körpers des Partners die Ursache dafür sein. Dies tritt meist bei Hängebondage (Suspension) in der Vertikalen oder Horizontalen auf, wenn der Partner zu schnell wieder auf die Füße gestellt wird. Diese Art der Ohnmacht kündigt sich durch Schwindelgefühl an.
Eine andere und gefährlichere Variante der Ohnmacht kann durch die Fesselung des Halses (dringend abzuraten) oder aber durch Abrutschen der Seillagen einer Oberkörperbondage, die nicht genügend gesichert ist, auftreten. Dabei wird durch Druck auf einen Punkt an der Halsschlagader (Carotis Sinus) der Kreislaufkollaps verursacht.
Hinzuzufügen ist noch, dass die Bewustlosigkeit auch durch andere Faktoren wie emotionalen Stress oder aber auch Schmerzen oder Schreck ausgelöst werden kann.
Wenn es einmal zu einer Ohnmacht kommt und die Sub oder das Ropebunny immernoch in den Seilen hängt, dann so schnell wie möglich geordnet auf den Boden zurück bringen. Auf keinen Fall überreagieren oder in Panik verfallen. Als erstes Die Beine hochlegen und dann die Fesselung auflösen (ggf. Freischneiden).
Weitere Informationen über die Gefahren beim Bondage
Hier noch eine kleine Liste, mit weiteren Seiten, die sich mit den Gefahren des Bondage beschäftigen:
Abschließend muss noch gesagt sein, dass ich kein Arzt bin und alle Infos über die Gefahren beim Bondage hier zwar guten Gewissens zusammengetragen habe, aber letztendlich liegt die Verantwortung für das, was geschieht bei den Riggern und Ropebunnies. Handelt verantwortungsvoll und laßt euch im Zweifelsfall nicht vom Ehrgeiz packen!


