Dass Bondagefotografie ein dankbares Thema für so manchen Künstler ist, zeigt die Ausstellung der Künstlergruppe ArtP in der Galerie Ludmilla Wagner anlässlich der Boundcon 2009 in München. Einer dieser Künstler ist Florian Geldner aus Berlin, den ich euch heute etwas näher vorstellen möchte.
Florian Geldner lebt und arbeitet seit 6 Jahren in Berlin, nach Kindheit und Jugend im ländlichen Oberfranken und 3,5 Jahren Studium in Ostfriesland. Der Schritt zur “richtigen” Fotografie kam für ihn eher zufällig. Nach der Anschaffung seiner ersten Digitalkamera, die eigentlich für einfache Urlaubsbilder und das Aufbereiten von Webseiten gedacht war, ergab sich ein spontanes Portraitshooting, damals noch mit sehr einfachen Mitteln. Allerdings genug, um ein seitdem nicht abgerissenes Interesse an Fotografie zu wecken.
Fotografie ist für ihn in erster Linie die einzige Möglichkeit, kreativ eigene Ideen und Konzepte umzusetzen, sodass das Ergebnis am Ende dem entspricht, was im Kopf vorher als Bild entstanden ist. Dabei arbeitet Florian fast ausschließlich mit Modellen zusammen, die aus Spaß am Shooting und den Ergebnissen vor die Kamera treten. Fotoerfahrung ist nicht mal notwendig. Wichtiger ist das Interesse am Thema und ein entspanntes Verhältnis zum eigenen Körper. Viele seiner Modelle haben sonst mit dem Thema Bondage keine Berührungspunkte, begeistern sich aber für die Ästhetik der dabei entstehenden Bilder. Neugierig geworden? Dann wirf einen Blick auf seine Homepage, weitere Bilder und Informationen findest Du dort.
Konkrete Vorbilder in Form von einzelnen Persönlichkeiten aus der Fotografie sucht man bei Florian Geldner vergebens. Es sind eher kleine Details und Stimmungen verschiedenster Bilder, die sich in seinen Werken wiederfinden. Diese “Vorbilder” müssen dabei nicht mal aus dem Bereich Akt- oder Bondage-Fotografie stammen.
Zum Thema Bondage Florian Geldner ebenfalls über die Fotografie gekommen. Im Bestreben, nicht nur klassische Aktfotografie zu betreiben, sondern Konzepte umzusetzen und mit mehr Bildelementen spielen zu können, bot und bietet ihm gerade das Thema Bondage quasi unendliche Variationsmöglichkeiten. Dies gilt so natürlich erst mal für viele Bereiche, aber die spezielle Ästhetik im Zusammenspiel zwischen Körper und Seil erlaubt dem Bondage in seinen Augen eine gewisse Sonderrolle.
Seine Erfahrungen in Fotografie und Bondage hat Florian Geldner gleichermaßen als Autodidakt gesammelt, da ihm in klassischen Workshops und Kursen die Individualität häufig zu kurz kommt. Außerdem kann er so im eigenen Tempo arbeiten, wenn z.B. eine Bildidee sofort spontan umgesetzt werden “muss” oder die ein oder andere aufwändige Bondage eben etwas länger dauert. Für sicherheitsrelevante Fragen speziell beim Thema Bondage verlässt er sich jedoch gern auf den Rat von “Experten”, um die eigenen Fertigkeiten zu erweitern.
Auf die Frage hin, was Bondage für ihn bedeutet, schreibt Florian Geldner:
Ein gutes Bondage “funktioniert” im Idealfall auf 3 Arten:
1) Die Optik muss stimmen. Man sollte auf den ersten und zweiten Blick erkennen, dass die Seile nicht wahllos um den Körper gelegt sind, sondern der Sorgfalt und dem Plan des Fesselnden folgen. Ganz gleich, ob dieser Plan bereits vorher da war, oder erst parallel zur Entstehung des Bondage gewachsen ist.
2) Die Funktion sollte erkennbar bzw. erlebbar sein. Ein Bondage ist kein loses Hemd, das man einfach übergestreift bekommt. Es entwickelt sich langsam, es hält, fixiert, öffnet, berührt. Keine kurz klickenden Handschellen, sondern zelebriertes Erlebnis.
3) Die Möglichkeit, jedes Mal etwas neues zu schaffen. Klar gibt es gewisse Standards, auf die man immer wieder zurückgreift. Dennoch hat man die Möglichkeit, daraus jedes Mal von neuem etwas anderes zu erschaffen. Zu tüfteln, zu grübeln, abzuändern, zu verbessern. Natürlich lässt sich die Kombination dieser 3 Aspekte nicht immer realisieren, speziell im fotografischen Kontext. Aber wenn es gelingt, hat man in recht umfassendem Maß etwas “einmaliges” geschaffen.



Spendenaufrufe auf Blogs finde ich jetzt doch a bissl albern. Dieser Widersinn lenkt nun doch wenig von den ansich schönen Bildern ab. Wobei, naja, manchmal ist es auch einfach nur Kunst, mehr nicht. Langweilig.
HiPPiE am 7. Mai, 2009